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Neugier schlägt Superfood

Seine Stärken einzusetzen gibt Energie, macht leistungsfähig und erst noch gute Laune. Und dennoch ist die Überzeugung weit verbreitet, dass es sinnvoller ist, den Blick auf die eigenen Schwächen zu richten. Woher nur kommt diese Haltung?

Einerseits ist sie genetisch bedingt, da unsere Vorfahren ihre Wahrnehmung auf negative Reize fokussierten. Probleme schienen dringlicher als Chancen zu sein. Andererseits besteht häufig eine kulturell geprägte Angst vor zu starker Ichbezogenheit und unnötigem Selbstlob. Dies verhindert, dass wir frei über unsere Stärken sprechen. Auch seien uns die eigenen Stärken oft gar nicht bewusst, da die wenigsten in einer positiven Feedbackkultur aufgewachsen sind, meint der amerikanische Wissenschaftler Robert Biswas-Diener.

Jeder Mensch hat sein eigenes Stärkenprofil

In den Anfängen der Positiven Psychologie wurde intensiv über die Stärken, im Sinne von persönlichen, überdauernden Mustern von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen geforscht. Der Pionier auf diesem Gebiet, Christopher Peterson von der University of Michigan, führte ein Forscherteam an, das aus einem riesigen Fundus an interdisziplinären Quellen einen Katalog von 24 besonders wichtigen Charakterstärken herausschälte: Von Bindungsfähigkeit über Mut oder Kreativität bis hin zu Humor. Jeder Mensch hat ein individuelles Profil, das sichtbar macht, wie intensiv er die jeweiligen Stärken im Alltag nutzt. Diese Reihenfolge kann sich je nach Umfeld, zum Beispiel in Bezug auf Hobbies oder im Beruf, aber auch im Verlauf der Zeit, verändern. Gelingt es, die wichtigsten Stärken in den Alltag zu integrieren, wird er mehr Flow-Zustände erleben, die Arbeit wird leichter von der Hand gehen und er wird mehr Erfolgserlebnisse haben.

Mit den Ergebnissen aus rund 20’000 Testresultaten zur Evaluation der individuellen Stärken betreibt die Universität Zürich intensiv Forschung. Wollen Sie wissen, welche Stärken Sie im Alltag in welcher Reihenfolge nutzen?  Dann füllen Sie den Test unter www.charakterstaerken.org aus!

Neugier als Jugendelixier

Neugier ist eine der Stärken, die besonders hoch mit der Lebens- und Arbeitszufriedenheit einhergeht. Allerdings nicht im Sinne der Gier nach Neuigkeiten, um die Sensationslust zu befriedigen, sondern als Interesse an allen möglichen Dingen des Alltags. Neugierige Menschen stellen Fragen und finden unterschiedliche Themen und Inhalte interessant und faszinierend. Sie erforschen und entdecken gerne die Welt, suchen aktiv nach Abwechslung und Herausforderung. Dies braucht auch mal Mut, neue Wege zu gehen und mögliche Gefahren als Herausforderungen zu betrachten. Ohne neugierige Menschen gäbe es die meisten Errungenschaften der Zivilisation nicht.
Diese Stärke zu nutzen, braucht aber nicht mit einem Adrenalin-Kick versehen zu sein. Ich lese zum Beispiel in der Zeitung gerne so viele Artikel, wie es die Zeit zulässt, unabhängig davon, ob mich das Thema unmittelbar betrifft. Wissbegierig erkunde ich eine neue Stadt oder treffe mich mit einem interessanten Menschen zum Mittagessen – die Neugier kann leicht befriedigt werden.
In Autobiographien erfolgreicher Menschen ist mir aufgefallen, dass sie allesamt noch im hohen Alter Interesse an Neuem hatten. Die Veränderungen in ihrem Umfeld fanden sie spannend und wollten daran teilhaben. Sie hatten gar keine Zeit, sich auf körperliche Einschränkungen zu konzentrieren oder darüber zu jammern, was früher vermeintlich besser war.


Neugier ist eng mit zwei weiteren Stärken verbunden: ‘Begeisterungsfähigkeit’ und ‘Liebe zum Lernen’. Die positiven Emotionen aus neu angeeignetem Wissen und Verhalten lassen uns lebendig und aktiv fühlen. Diese Einstellung hält jünger wie jedes Multivitamin-Präparat oder Ausdauerläufe. Die Neugier scheint ein Jugendelixier zu sein. Sind Ihre Begegnungen mehrheitlich geprägt durch einen spannenden Austausch von echtem Interesse, Meinungen und Erkenntnissen? Wie neugierig sind Sie wirklich, wenn Sie jemanden nach seinem Befinden oder seinen Themen fragen? Haben Sie noch den Mut oder die Musse, Neues auszuprobieren? Es muss ja nicht gleich eine Reise zum Nordpol sein. Eine Weiterbildung beginnen, neue Bekannte zum Essen einladen, eine ehrenamtliche Tätigkeit annehmen, ein Konzert unbekannter Stilrichtung besuchen, Tiere beobachten oder nur mal einen anderen Yoghurt auswählen – der Rat des Weisen Hazrat Inayat Khan wird Sie belohnen: „Tief im Meer ist Reichtum ohne Mass, doch suchst du Sicherheit, so bleib am Ufer.“

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